| Dirk's "Ausbildungs-Tagebuch" |
Warum schreib' ich das denn überhaupt? Keine Ahnung, ich hab einfach Spaß dran :-) Vielleicht macht es Dir ja auch Spaß, es zu lesen - und hoffentlich macht es Dich ja auch neugierig darauf, einmal das Fetzenfliegen zu probieren. Vom Fußgänger zum Fetzenflieger?Dann endlich sollte es im Juli 1998 Wirklichkeit werden: der Gleitschirmkurs gebucht, das Geld gespart - und dann beim Inline-Skaten eine zu harte Landung, der Handkantenschlag auf die Skater-Rampe endete mit gebrochenem Arm im Krankenhaus... Nach einem knappen halben Jahr waren dann sowohl der Arm wieder genesen als auch der Chef bereit, mir für meinen Kurs Urlaub zu geben: drei Tage vor Kursbeginn die Ernüchterung, wieder ein Traum geplatzt, zwei Meter Tiefschnee auf dem Übungshang, kein Kurs. Spätestens jetzt wurden die Stimmen lauter, daß das sicher alles Bestimmung sein, ich sollte mich lieber damit abfinden, daß ich nie fliegen werde, da hätte wohl immer mein Schutzengel seine Hand im Spiel gehabt. Aber so schnell gebe ich ja dann doch nicht auf und so kommt es, wie es kommen mußte... 1. Tag (13.2.99)So ein Gleitschirm hat furchtbar viele Strippen - Leinen, die vor einem Start immer komplett entwirrt sein wollen. Und natürlich beschließt der Schirm in der Zwischenzeit, wegen der Ruckelei ein ganz bißchen den Berg runter zu rutschen. Also stapft man wieder hoch zum Schirm, legt ihn besser hin: und schon sind die Leinen verrutscht. Wenn dann mit viel Geduld alles stimmt, geht's zuerst daran, einfach nur den Berg runter zu rennen, ohne dabei abzuheben. "Einfach nur" schließt dann allerdings alle möglichen und unmöglichen Bergabstiegsmöglichkeiten ein, die zumindest für die anderen ziemlich umwerfend sind. An Abheben ist zuerst sowieso nicht zu denken, allein das Gefühl, wenn das Gurtzeug anfängt zu tragen, entschädigt aber schon viel. Nach mehreren Versuchen, guten Nerven (beim Gleitschirmlehrer) und trotz Schnee viel Schweiß (auf beiden Seiten) war dann langsam daran zu denken, ein bißchen Kurven zu laufen - welch ein Erfolg! Das kann sich glaube ich nur jemand vorstellen, der's probiert hat, man merkt daran einfach, daß es voran geht - der Himmel ist ja schließlich das Ziel. Und der kommt immer näher: "Ach ja, übrigens, langsam könnt's mal passieren, daß Du fliegst... dann einfach weiterlaufen - wenn ich Dir's dann über Funk sage, ziehst Du die Bremsleinen einfach voll durch..." Hm, fühlte sich zwar schon klasse an, aber fliegen, danach fühlt's sich noch nicht an. "Wenn Du schon magst, kannst Du auch noch bis da oben hochgehen zum Start." Klar mag ich! Dumme Frage - nur warum ist der verflixte Berg oben so steil und ein Gleitschirm bei den Leinen geschleppt so unförmig? Egal, das Ziel lockt, jetzt kommt dann doch ein gewisses Kribbeln, was davor so noch nicht da war. Und es hat Recht, dies Kribbeln! Nach erstaunlich wenigen Schritten (zumindest kam es mir so vor) geht nichts mehr - zumindest nicht zu Fuß! Der Boden ist weg - Douglas Adams würde jetzt behaupten, ich hätte mich erfolgreich neben den Boden geworfen. Und nun soll ich noch ein bißchen die rechte Steuerleine ziehen? Da hat sich beim Rennen am Boden fast nichts getan - und nun gibt es tatsächlich eine Kurve! Viel zu schnell ist alles vorbei - selbst die Landung scheint ok zu sein, der Schirm faltet sich sauber zusammen. Nach diesem riesigen Erfolg gab's so viel Energie, daß ich unbedingt wieder auf den Berg mußte, um es noch mal zu probieren. Aber nach noch einem Flug mußte irgendwann Schluß sein, die Schlepperei schlauchte doch ganz schön und schließlich mußte das ganze Wasser ja auch wieder aus den Schuhen (merke: gute wasserdichte Gleitschirmschuhe müssen sein - aber Gamaschen sind eine gute Idee, damit der Schnee nicht von oben in die Schuhe fällt...) 2. Tag (14.2.99)Nicht dazugezählt wird natürlich mein Flug Nummer 10 - nennen wir ihn also einfach 10 a - da kam nämlich das dusselige Kommando "Halt! Stop!", eigentlich das Zeichen dafür, daß der Fluglehrer entdeckt hat, daß zum Beispiel mit dem Schirm etwas nicht stimmt. Hier war es allerdings nur der Test, ob ich einen sauberen Startabbruch hinbekommen. Das hat auch erstaunlich gut geklappt - nur bei dem folgenden Start (nennen wir den also einfach 10 b) bin ich noch langsamer losgelaufen, um auch ja einen sauberen Startabbruch hin zu bekommen. Der bestand dann allerdings darin, daß der Schirm bei einem so faulen Passagier gar nicht abheben wollte, sondern lieber genauso träge wie ich zu Boden ging. Aber um die Zählung komplett zu machen: Nummer 10 c ging dann doch wieder sauber raus - Fliegen ist schön! Das Übungsprogramm heute bestand aber eigentlich hauptsächlich darin, saubere und halbwegs zielgerichtete Kurven zu fliegen. Am Boden wollte der Schirm sich noch nichts sagen lassen - irgendwelche Kommandos über die Steuerleinen hatte er immer fast völlig an sich vorbeigehen lassen. Doch nun in der Luft ist alles anders: es dauert zwar immer etwas, bis der Schirm reagiert, aber er reagiert auch länger als gedacht - und gegensteuern wie beim Auto führt zum Schunkeln wie bei einem Seemann, der etwas zu viel über den Durst getrunken hat. Das ganze führte dann dazu, daß aus dem "Lande mal ungefähr da, wo Du vorhin gelandet bist!" mehrere sauber verteilte Spuren wurden, die zwar eine gewisse Tendenz zeigten ("So ungefähr nach rechts..."), aber doch irgendwie wenig miteinander zu tun hatten. 3. Tag (15.2.99)Ach ja, warum jetzt die magische Zahl 10? Das ist die Anzahl Flüge, die man mit 100 Metern Höhendifferenz absolvieren muß. Eigentlich macht man das im Fortgeschrittenen oder A-Schein, aber meinen 100er Flug heute darf ich bereits stolz wie Oskar in mein Flugbuch eintragen. 4. Tag (16.2.99)5. Tag (25.3.99)6. Tag (26.3.99)7. Tag (27.3.99)8. Tag (28.3.99)9. Tag (29.3.99)Mit der Zeit wird es dabei immer wichtiger, auf "Kleinigkeiten" zu achten wie zum Beispiel den Kontrollblick: dabei prüft man beim Aufziehen des Schirms noch vor dem Abheben, ob der Schirm gut steht und die Leinen unverknotet sind. Und da wir das alle bisher nicht besonders gründlich gemacht hatten, hat unser Fluglehrer immer mal wieder kleine Fähnchen an unsere Schirme geknotet, die wir beim Kontrollblick sehen und dann einen Startabbruch machen sollten. Besser: wir hätten einen Startabbruch machen sollen - wir haben alle die Fähnchen zu spät entdeckt... 10. Tag (30.3.99)11. Tag (31.3.99)12. Tag (1.4.99)13. Tag (2.4.99)Auch der nächste Flug wieder mit "meinem" P23/24 ist deutlich thermischer als am Tag davor - es macht wirklich Spass, die Aufwinde zu spüren! (Mal sehen, ob ich das bei stärkerer Thermik auch noch so sehe...) Also weiß ich immer noch nicht, ob ich lieber einen P24 oder einen Arcus kaufen will :-) 14. Tag (3.4.99)Die Prüfung klappt erstaunlich gut - bis auf einen von uns, der wahrscheinlich einfach nur Schwierigkeiten wegen der Sprache hatte und bereits davor einmal deswegen durchgefallen war - schaffen wir es alle ohne Probleme. Vielleicht haben wir a morgen unsere Prüfung bereits hinter uns - ich beschließe, mich endlich zu entscheiden und bestelle "meinen" Schirm. Ein nagelneuer roter Arcus von Swing solls sein, Größe S, damit ich mit meinen sechzig Kilo nicht bei der kleinsten Thermik nicht mehr auf den Boden komme wie bei meinem Probeflug mit dem mittleren Schirm. 15. Tag (4.4.99)16. Tag (5.4.99)17. Tag (6.4.99)Also Prüfung an einem Hang, an dem wir noch nie geflogen waren, kein Probeflug möglich, da unsere Fluglehrer am anderen Hang bei den anderen bleiben mußten, die noch dringend Flüge brauchten. Der Landeplatz an der Mittelstation der Nebelhornbahn ist eigentlich idiotensicher, platt wie ein Fußballfeld und riesig groß - nur wir sind natürlich "unseren" Weiherkopf-Landeplatz gewöhnt, schräg wie das Deck der Titanic beim Absaufen. Leider kann man sich anscheinend viel zu gut an den Platz gewöhnen: irgendwie schaffen es viele von uns nicht, auf Anhieb die Höhe für die Landung richtig abzuschätzen, es hagelt Nachflüge. Mich erwischt's richtig, ich verschätze mich blöderweise komplett ("Such... wo ist denn der blöde Windsack, der sollte doch da irgendwo sein?! Egal, das paßt schon so...") - saufe ab und lande in der Kurve vom Quer- in den Endanflug graziös wie ein Elefant bei Schlittschuhlaufen und lege mich erst mal effektvoll in den Schnee. Für so viel Dummheit folgt die Strafe sofort: nicht mal ein Nachflug möglich, sofort durchgefallen. Erfolg des Tages: von zwanzig Prüflingen sieben durchgefallen! Und wie gesagt etliche Nachflüge wegen falscher Landeeinteilung, ein paar landen vielleicht vierzig/fünfzig Meter vor, andere hinter dem Landebereich. Alle fünf, die mit mir die Höhenschulung begonnen haben, sind durchgefallen - Wahnsinn. In der Flugschule danach noch lange Diskussionen, ob es sich lohnt, wegen des fehlenden Windsacks Einspruch einzulegen (bei der Landeplatzbesprechung hatte ich extra danach gefragt, es sollte natürlich einer aufgestellt werden, aber er war von den Prüfern in der Eile am Übungshang vergessen worden... und der Windsack auf der Liftstütze war doch sehr weit entfernt vom Landeplatz). Keine Ahnung, ob ich mit Windsack besser gelandet wäre - warum war ich auch nur so dusselig, in der Kurve "einzubomben"?! Nach einigem Hin- und Her, Telefonaten mit der Prüferin, ob wir eventuell die Prüfung am folgenden Tag wiederholen dürfen, beschließen wir gemeinsam, aus einer Mücke keinen Elefanten - sprich aus einem fehlenden Windsack keinen offiziellen Einspruch zu machen - und niedergeschlagen nach Hause zu fahren. Leider gibt es nicht mehr die Regelung, daß man nach zehn weiteren Flügen die Prüfung wiederholen darf - die Flüge hätten wir vielleicht mit viel Glück bis zum Ende der Woche noch machen können - der DHV hat beschlossen, daß man sieben Tage warten muß, ehe man die Prüfung wiederholen darf. Tja, das dürfte bei uns dazu führen, daß wir es ohne weitere Flüge noch mal versuchen müssen - den Sinn der Regelung verstehen wir alle nicht, einfach eine weitere Woche Urlaub anhängen kann keiner von uns. Die fünfzig Mark, die wir für die Prüfung in den Sand (Schnee :) ) gesetzt haben, sind Peanuts gegen das, was da noch auf uns zukommt: wieder ca. 1300 Kilometer Auto fahren, Urlaub nehmen, Unterkunft und eventuell Leihgebühren für die nächste Prüfung und Prüfungsgebühren für die Flugschule - mir graust's bei dem Gedanken... Hoffentlich dürfen wir Ende nächster Woche bei einer anderen Schule die Prüfung mitmachen - hoffentlich bekomme ich Urlaub, hoffentlich stimmt das Wetter - irgendwie muß viel zu viel klappen, mal sehen, wann wir Bruchpiloten unsere Prüfungen endlich schaffen. 20.4.998.5.9921.5.99Dürfte, präziser. Es schüttet aus Kübeln. Und ich bin wieder 1300 Kilometer umsonst gefahren irgendwie ist Gleitschirmfliegen doch nicht immer so umweltfreundlich, wie ich das mal gesehen habe. Vielleicht brauche ich auch nur einfach irgendwann einen Job im Allgäu =:) Ein Gutes hat die Fahrt aber doch: wenn das Wetter halbwegs gut ist, findet wahrscheinlich am Montag noch eine Prüfung statt. 24.5.99Aber der Start ist so schlecht wie lange nicht mehr: ich bin es einfach nicht gewöhnt, daß der Startplatz so huckelig ist ohne den ganzen Schnee und rupfe außerdem viel zu stark an meinem P23 rum. Die Landung dagegen ist so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Kommentar der Prüferin mit einem Grinsen, nachdem ich mit meinem Kram bei ihr angeschlurft komme: "Also: Du hast bestanden. Die Landung war ok - aber ich soll Dir von dem Prüfer vom Start ausrichten lassen, wenn Du den Start nicht davor schon bestanden hättest, wärst Du jetzt durchgefallen..." Egal wie: Jubel! Endlich nicht mehr Fußgänger! Mein Fluglehrer schult auch grade am Weiherkopf - nachdem die Prüfung zu Ende ist, fliege ich daher noch mal mit Unterstützung über Funk den ersten Flug mit meinem eigenen Schirm! Gut, das ganze ist doch erstaunlich lang geworden - vielleicht hast Du es doch bis hier hin geschafft? Ich setze mein "Ausbildungs-Tagebuch" einfach mal ins Netz, ich hoffe, das Kribbeln im Bauch bei den ersten Flugversuchen kommt etwas 'rüber - wenn es bei Dir wirkt, würde ich mich über eine kleine Nachricht an Dirk@Verheddert.de sehr freuen. See you in the sky, Dirk Ps: Um das Kribbeln beim Gleitschirmfliegen gehts auch auf der Seite "Das erste Mal" - schau' doch mal rein!
Klar gibt's dazu noch viel mehr! Schau' doch mal meine andere Gleitschirmseiten an! Oder suchst Du schöne Bücher über das Fliegen? Einen Bildschirmschoner, bei dem Du Deine eigenen Gleitschirmfotos und sogar WebCams von Startplätzen einbauen kannst?
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